Datenbanklimit beim Exchange Server 2003 Standard auf 75 GB erhöhen (SP2)

Microsoft liefert seinen Exchange Server in einer Standard und einer Enterprise Edition aus, was sich vor allem preislich bemerkbar macht. Einer der markanten Unterschiede, neben dem, dass lediglich eine Postfachspeicher-Datenbank angelegt werden kann, ist der, dass der Postfachspeicher keine beliebige Größe – begrenzt bei theoretischen 8 TByte – annehmen kann, sondern dass die Standard Edition eine maximale Datenbankgröße von 16 GB erlaubt. Diese Grenze gibt es bereits seit Erscheinen der ersten Exchange Server Version 4.0 vor ziemlich genau 12 Jahren und ist hart codiert. Wird die Grenze erreicht, protokolliert der Exchange Server das Ereignis mit der ID 1112 und beendet danach mit dem Event 445 den Informationsspeicher.

Da das E-Mailaufkommen mittlerweile sprunghaft gestiegen ist, trägt seit über einem Jahr auch der Hersteller Microsoft dieser Tatsache Rechnung und erlaubt mit dem Update auf Exchange Server 2003 Service Pack 2 eine maximale Datenbankgröße von 75 GB.

Man ist versucht zu glauben, dass lediglich das Update auf den aktuellen Service Pack #2 die Grenze verschiebt, allerdings erlaubt auch ein Exchange 2003 Server Standard Edition nur maximal 18 GByte. Tatsächlich jedoch muss also der Administrator über die lokale Registrierung in das bestehende System eingreifen um die Grenze auf 75 GB anzuheben. Nachfolgend die Schritte, die am Exchange Server vorgenommen werden müssen um in den „Genuss“ der 75 GB Grenze zu kommen.   Die notwendigen Einstellung sind unterhalb eines Registrierungsschlüssels vorzunehmen, der auf jedem System anders lautet, da es sich um die GUID (Global User ID) des Postfachspeichers Ihres Exchange Servers handelt. Diesen Wert finden Sie im Attribut objectGUID des Postfachspeicherobjektes im Active Directory. Nachfolgend ein Beispiel:

HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\MSExchangeIS
\YADC01\Private-d9d5700f-cbcc-4600-9916-5af39cd73db2 

A. Datenbanklimit definieren

Der folgende Registrierungsschlüssel definiert das DB Limit (Dezimalwert): 

Datentyp       REG_DWORD
Name:            Database Size Limit in GB
Wert:              1 – 75
Default:         18
 

Erstellen Sie hierzu einen neuen Wert vom Typ DWORD mit dem oben angegebenen Namen. Weisen Sie die für Ihren Server passende Datenbankgröße zu und restarten Sie anschließend den Informationsspeicher. 

B. Warngrenze definieren

Exchange 2003 protokolliert ab Service Pack 2 eine Warnung, wenn nur noch ein bestimmter Anteil in der Datenbank bezogen auf das Limit frei ist. Konfigurieren Sie diesen Wert nach Ihren Anforderungen. 

Datentyp       REG_DWORD
Name:            Database Size Buffer in Percentage
Wert:              1 – 100                                
Default:         10

C. Wann wird geprüft?

Mit nachfolgendem Wert können Sie definieren, wann die Überprüfung der Datenbankgröße vom System vorgenommen wird.

Datentyp       REG_DWORD
Name:            Database Size Check Start Time in Hours from Midnight
Wert:              1 – 24                        
Default:         5
 

Hinweise:

  • Sollte in Zukunft eine Serverwiederherstellung Setup-Option /disasterrecovery notwendig werden, so ist der entsprechende Key vor dem ersten Start der Datenbank erneut zu setzen.
  • Exchange ermittelt die Datenbankgröße im Rahmen des normalen Maintenance-Zyklus, alle 24 Stunden um 05:00 Uhr. Die Uhrzeit kann bei Bedarf ebenso konfiguriert werden.
  • Bei der Berechnung der Datenbankgröße wird der “freie” Speicherplatz in der Exchange Datenbank nicht mehr mit einbezogen, somit wird auch ein Offline-Defrag, wie vielfach für frühere Versionen empfohlen, die Datenbankgröße nicht mehr reduzieren
  • Das Database Size Limit kann im Übrigen auch in der Enterprise Edition konfiguriert werden, um beispielsweise ein unkontrolliertes Anwachsen der Datenbanken zu verhindern, beispielsweise auch um den Verbrauch des „kostspieligen“ SAN-Platzes zu  einzudämmen.

Exchange Server auf neue Hardware verschieben (2000/2003)

E-Mail ist das mit am Stärksten wachsende Medium unserer Zeit. Das E-Mailaufkommen vervielfacht sich von Jahr zu Jahr, so ist nicht verwunderlich, dass leider allzu oft die verfügbaren Server-Ressourcen ausgehen und die Postfächer auf eine andere Hardware umgesiedelt werden müssen.

Man könnte jetzt natürlich einen neuen Exchange Server installieren und Zug um Zug  die Postfächer auf diesen neuen Server verschieben, aber dies verlangt viel Zeit und oftmals auch noch viele weitere Aktionen, wenn der ursprüngliche Server abgebaut werden soll. Handelt es sich beispielsweise gleichzeitig auch um den Server für die Öffentlichen Ordner und/oder System Ordner so sind viele weitere Schritte notwendig.

Sie möchten schlicht die Hardware des Servers komplett ersetzen? Kein Problem! Sie benötigen eine vollständige Sicherung Ihres Servers und schon kann es losgehen.

Auf einem neuen Server, auf den Exchange 2003 verschoben werden soll, muss das Betriebssystem installiert sein, das auch auf dem ursprünglichen Server installiert war/ist. Die Vorbereitungen können bereits im laufenden Betrieb erfolgen. Installieren Sie den neuen Server mit dem selben Betriebssystem und geben ihm einen frei wählbaren Computernamen. Den ursprünglichen Servernamen wird dieser erst später erhalten. Die nachfolgenden Aktionen sollten Sie nun in einem Downtime-Fenster ausführen.

Führen Sie nun eine vollständige Exchange Informationsspeicher-Sicherung auf dem bisherigen Exchange Server 2003 durch. Nutzen Sie hierfür das entsprechende Sicherungsprogramm oder das bordeigene Windows Sicherungsprogramm. Selbstverständlich sollten in dieser Zeit keine Aktivitäten auf dem Server stattfinden, damit keine Daten verloren gehen können.

02-2006-bild1.GIF

Anschließend fahren Sie den bisherigen Server herunter bzw. nehmen diesen vom Netz. Im Notfall kann dieser Server jederzeit wieder aktiviert werden.

Setzen Sie nun das Computerkonto für den bisherigen Exchange 2003-Computer im Active Directory zurück.  Starten Sie das Snap-In „Active Directory-Benutzer und -Computer“ und suchen das Computerkonto für den bisherigen Exchange 2003-Computer, klicken mit der rechten Maustaste auf das Konto, und klicken dann auf Konto zurücksetzen

 02-2006-bild2.GIF

Dies ist notwendig, damit der neue Server mit dem alten Namen in die Domäne aufgenommen werden kann. Geben Sie nun dem neuen Server den gleichen Namen wie dem ursprünglichen Server, und fügen ihn dann zur Domäne hinzu.

Führen Sie nun mit einem Account, der über die Berechtigungen eines Exchange Administrators verfügt, das Setup von Exchange Server 2003 mit der Option disasterrecovery aus:

Exchange Server 2003:  Setup /disasterrecovery

Achten Sie unbedingt darauf, dass für die Messaging and Collaboration-Dienste und für die Exchange-Systemverwaltungstools die Aktion Disaster Recovery ausgewählt ist. Ist das Setup-Programm abgeschlossen, müssen Sie ebenfalls mit der Option /disasterrecovery das letzte installierte Exchange 2003 Service Pack installieren, das auf dem vorhandenen Server installiert war/ist.

Exchange Server 2003 Service Pack:  update /disasterrecovery

Installieren Sie abschließend alle Hotfixes nach Exchange 2003 Service Pack, die auch auf dem bestehenden Server installiert sind.

Das Disasterrecovery-Setup stellt die Konfiguration Ihres neuen Exchange Server entsprechend dem Original her, legt also alle Speichergruppen und Datenbanken in den vorherigen Pfaden an. Die Option sorgt allerdings dafür, dass keine Datenbank- oder Logdateien angelegt werden. Dafür ist nun abschließend lediglich ein Restore der zuvor gesicherten Datenbanken notwendig.
Abschließend hier die einzelnen Steps nochmals zusammengefasst:

1. Neuen Server installieren und NICHT in die Domäne aufnehmen
2. Bisherigen Exchange Server „vom Netz“ nehmen
3. Vollsicherung des Informationsspeichers durchführen
4. Bisherigen Server abschalten
5. Computer-Account im Active Directory zurücksetzen
6. Neuen Server in die Domäne mit „bisherigen“ Namen hinzufügen
7. Exchange Setup mit Option Disaster Recovery (inkl. Service Pack)
8. Restore der Informationsspeicher-Datenbanken
9. Server Online