Ein Exchange Administrator steht in der Implementierungsphase irgendwann vor der Frage „Funktionieren die Dienste des Exchange Servers korrekt?“. Beispielsweise ist es äußerst wichtig zu prüfen, ob ein SMTP-Dienst auch nicht als Relay durch Spammer missbraucht werden kann.
Nun, dazu einen Standard E-Mail-Client, wie Outlook Express, einzurichten und für diese Tests zu benutzen, ist an sich kein Problem. Es gibt jedoch oft betriebsinterne Vorgaben, dass beispielsweise kein Outlook Express, geschweige denn Outlook 2003, auf Servern installiert werden darf.
Um jedoch einfache Tests mit den Diensten SMTP und POP3 durchzuführen, genügt das Programm TELNET, welches sich vor allem in früheren Jahren großer Beliebtheit erfreute. TELNET erlaubt uns mit bestimmten Ports und dahinter liegenden Diensten eines TCP/IP-basierenden Systems zu kommunizieren und einfache Befehle auf der Kommandozeile an diese Services abzusetzen.
Nachfolgend beschränken wir uns lediglich auf die wichtigsten Kommandos um eine E-Mail per SMTP abzusetzen sowie eine E-Mail per POP3 zu lesen. Dies sollte für den Exchange Administrator völlig ausreichend sein um grundlegende Funktionstests durchzuführen.
Das SMTP-Protokoll benutzt per Default den TCP-Port 25. Daher verbinden wir uns mit nachfolgendem Kommando mit dem SMTP-Dienst eines beliebigen, erreichbaren Servers. Achten Sie bei der Benutzung von TELNET darauf, dass dieses keine BACKSPACE-Taste kennt und daher ein Kommando stets vollständig und korrekt eingegeben werden muss, da der Dienst ansonsten mit einem Fehler „Unrecognized Parameter“ antwortet. In diesem Fall wiederholen Sie einfach die Eingabe.
C:\> telnet <Servername¦ip-Adressen> 25
Das angesprochene System antwortet uns mit seinem Namen:
220 mail.ya.local Microsoft ESMTP MAIL Service, Version: 6.0.3790.18
30 ready at Wed, 6 Dec 2008 12:11:31 +0100
Der nächste Schritt ist nun, sich selbst gegenüber dem SMTP-Server zu erkennen zu geben, der Server antwortet u.a. mit der Meldung 250 OK und zeigt damit an, dass er bereit ist SMTP-Kommandos entgegen zu nehmen.
ehlo your-admin.com
250- mail.ya.local Hello [192.168.215.1]
250 OK
Nun setzen wir als erstes das Kommando MAIL FROM ab und der Server antwortet bei korrekter Eingabe mit 250 …. Sender OK
mail from: hans@testdom.com
250 2.1.0 hans@testdom.com….Sender OK
An wen soll die Mail gehen? Dies übermitteln wir mit dem Kommando RCPT TO:
rcpt to: info@your-admin.com
550 5.7.1 Unable to relay for info@your-admin.com
Erhalten Sie eine Rückmeldung “5.7.1. Unable to relay…” dann haben Sie die erste Funktionsprüfung bereits erfolgreich abgeschlossen. Der Server ist gegen Relay-Missbrauch geschützt, da er nur E-Mails an eingehenden Domänen akzeptiert. (Die Default-Einstellung bei einem Exchange Server). Andernfalls erhalten wir korrekt die Quittung:
250 2.1.5 info@your-admin.com
Nun beginnen wir mit der Eingabe der eigentlichen E-Maildaten. Dazu bedienen wir uns einleitend des Kommandos DATA, um die Datenübergabe zu starten, des Kommandos SUBJECT: um den Betreff zu kennzeichnen und nach doppelter Zeilenschaltung geben wir den eigentlichen Text der Nachricht ein. Abgeschlossen wird der gesamte Vorgang mit „.“ in einer leeren Zeile, und die Nachricht wird in die ausgehende Warteschlange übergeben.
data
354 Start mail input; end with <CRLF>.<CRLF>
subject: TestmailDies ist die Nachricht.
.
250 2.6.0 <MAIL5AUZFwdQ600000001@mail.ya.local> Queued mail for delivery
Die Nachricht wird nun in das betreffende Postfach übermittelt und das Kommando QUIT beendet die Sitzung mit dem SMTP-Server. Ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht können wir über den Exchange System Manager (Warteschlangen) genauso überprüfen, wie mittels eines Blickes in das Postfach selbst.
Dafür benötigen wir aber normalerweise wieder einen E-Mail-Client. Kommandozeilenerprobte Administratoren nutzen auch hierfür wieder das Programm TELNET. Bitte beachten Sie, dass per Default der POP3-Dienst auf einem Exchange Server nicht aktiv ist und daher zuvor gestartet werden sollte. POP3 benutzt per Default den TCP-Port 110 und daher verbinden wir uns mit TELNET auch mit Diesem.
C:\> telnet <Servername¦ip-Adressen> 110
Der Server antwortet wieder mit einer Quittung, dass er bereit ist, Kommandos entgegen zu nehmen:
+OK Microsoft Exchange Server 2003 POP3 server version 6.5.7638.1 (mail.ya.local) ready.
Nun connecten wir uns mit dem gewünschten Postfach durch Angabe des Aliasnamen, der mit dem Loginname in der Domäne übereinstimmen sollte, der POP3-Server quittiert mit +OK
user robert.lindermeier
+OK
Zu jedem Benutzer gehört ein Passwort, welches der Server nun benötigt. Beachten Sie dass das Passwort im Klartext (wie bei jedem POP3-Zugriff über das Netzwerk sonst auch!) angezeigt wird. OK ….logged on, zeigt an, dass wir uns mit dem Postfach verbunden haben.
pass Abc12345
+OK User successfully logged on.
Mit dem Kommando LIST erhalten wir die aktuell im Posteingang befindlichen Nachrichten. Neben OK steht die Anzahl der Nachrichten, die Zahl daneben ist die Größe der E-Mails in Octets.
list
+OK 2 2246
1 1821
2 425
.
Wie aber können wir eine E-Mail lesen? Das Kommando RETR <Nr. der Nachricht> zeigt die Nachricht incl. Header an.
retr 2
+OK
Received: from ([192.168.215.1]) by mail.ya.local with Microsoft SM
TPSVC(6.0.3790.1830);
Wed, 6 Dec 2006 12:41:19 +0100
subject: Testmail
From: test@tester.com
Bcc:
Return-Path: test@test.com
Message-ID: <MAILN9F4HhMLx00000002@mail.ya.local>
X-OriginalArrivalTime: 06 Dec 2006 11:41:24.0404 (UTC) FILETIME=[7534EF40:01C719
2B]
Date: 6 Dec 2006 12:41:24 +0100Dies ist die Nachricht.
Mit dem Befehl QUIT beenden wir die Sitzung mit dem POP3-Server. Nachfolgend noch eine Auflistung der weiteren möglichen POP3-Befehle:
TOP <Nr.> <X> Zeigt von der Nachricht <Nr.> die ersten <X> Zeilen an
DELE <Nr.> Löscht die angegebene Nachricht <Nr.>
Dabei werden die Nachrichten zuerst nur zum Löschen markiert, erst der Befehl QUIT löscht die Nachrichten endgültig aus dem PosteingangSTAT Zeigt die Anzahl der aktuell im Posteingang befindlichen Nachrichten
RSET Alle gelöschten Nachrichten wiederherstellen
QUIT Beenden der POP3-Sitzung
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